Klassische Balletttechnik trifft auf Tanzimprovisation. Ioannis Mandafounis kreiert ein neues Werk für eine kleine Besetzung, das in die Tanzgeschichte eintaucht – getanzt von Tänzern der DFDC und Jón Vallejo, Erster Solist des Semperoper Ballett. Rosalind Crisp gilt als eine der bedeutendsten und zugleich rigorosesten Tanzkünstlerinnen Australiens. Für den zweiten Teil dieses Doppelabends kreiert sie ein neues Werk mit dem Ensemble der DFDC und Pianist Frédéric Blondy.
„Eins vor, zwei zurück“, Ioannis Mandafounis
Die Bewegungssprache des klassischen Balletts beruht auf klaren Prinzipien. Alles scheint der Überwindung der Schwerkraft zu dienen. Die Körper erscheinen leicht, ihre Masse in Pirouetten oder im Sprung wie aufgehoben. So ist alles nach oben ausgerichtet, Bewegungen nach unten kommen fast nur vor, um Schwung zu holen nach oben.
Was passiert, wenn man diese Prinzipien umkehrt? Mit einer kleinen Besetzung setzt sich Ioannis Mandafounis in dieser Arbeit mit typischen Ballettbewegungen auseinander. Sie werden dekonstruiert, auf den Kopf gestellt, unterbrochen und transformiert. Bewegungsabfolgen des klassischen Repertoires werden neben Neufassungen gestellt, die völlig verwandelt sind. Ein aberwitziges Spiel, das die historische Vorlage bei allem Humor trotzdem ernst nimmt – getanzt von Tänzern der DFDC und Jón Vallejo, Erster Solist des Semperoper Ballett.
„Seen Unseen“, Rosalind Crisp
Was sehen wir, wenn wir Tanz sehen? Tanz beginnt lange, bevor er sichtbar wird. In Crisps Praxis der Live-Komposition sind die subtilen Verschiebungen in der Aufmerksamkeit der Tänzer*innen für die Entstehung von Bewegungen entscheidend. Rosalind Crisp lädt sowohl Tänzer*innen als auch Publikum ein, sich, wenn auch nur für einen kurzen Moment, dort aufzuhalten, wo Bewegung entsteht. Auf der Bühne vollkommen sichtbar und transparent zu sein bedeutet, sich voll und ganz allem zu öffnen, was unsichtbar ist – den subtilen Gewichtsverlagerungen, jedem Atemzug, jeder Empfindung der Schwerkraft – die Zukunft beginnt hier, im Kleinen.
Die Aufführung entsteht jeden Abend in unmittelbarer Nähe zum Publikum und bietet so einen detaillierten Blick auf die Entscheidungsfindung der Tänzer*innen. Das Werk ist eine Zusammenarbeit mit Frédéric Blondy, Komponist und Improvisationspianist, dessen musikalische Sprache aus tiefem Zuhören, aus der Körperlichkeit der Bewegung und aus dem Erforschen von Klangfarben entsteht.
Biografien
Rosalind Crisp ist Choreografin und Tänzerin und lebt in Orbost, Australien. 1996 gründete sie in Sydney das Omeo Dance Studio, das zehn Jahre lang ein Zentrum der experimentellen Tanzszene war. 2003 wurde sie von Carolyn Carlson als erste assoziierte Künstlerin ans Atelier de Paris eingeladen; von 2004–2014 entstanden dort Ensemblearbeiten und internationale Kooperationen. Crisp schuf über 25 Werke, gastierte weltweit und lehrt international. Ihre Arbeit erforscht Tanz als Live-Komposition und versteht Tänzer*innen als Kunstschaffende. Sie ist Chevalier des Arts et des Lettres, Ehrenmitglied der University of Melbourne-VCA und erhielt 2025 den Creative Australia Award (Tanz).
Ioannis Mandafounis wurde in Athen geboren und studierte Tanz am Pariser Konservatorium. Er tanzte u. a. beim Ballett der GöteborgsOperan, beim Nederlands Dans Theater II und bei The Forsythe Company. Seit 2004 arbeitet er als Choreograf, war ab 2009 Mitglied des Frankfurter Kollektivs mamaza und leitete parallel eine eigene Company in der Schweiz. Er schuf Werke für zahlreiche internationale Kompanien und gastierte weltweit. Mandafounis wurde 2002 vom Griechischen Kulturministerium ausgezeichnet, erhielt 2015 den Schweizer Kulturpreis und wurde 2024 mit „À la carte“ für den Theaterpreis DER FAUST nominiert. Seine Arbeit basiert auf einer partizipativen choreografischen Methodik.
Frédérik Blondy ist Pianist, Organist, Komponist und Improvisator mit einem organischen, explorativen Zugang zu Klang. Er arbeitet an der Schnittstelle von zeitgenössischer Musik, Improvisation, Avantgarde- und Free Jazz sowie elektronischer und elektroakustischer Musik und war u. a. in Gruppen wie Hubbub und Ethos aktiv. Seit über 25 Jahren tritt er international auf, veröffentlichte mehr als 25 Aufnahmen und komponierte rund 20 Werke von Solo bis Orchester. Blondy arbeitet interdisziplinär mit Tanz, Video und Film. 2011 gründete er das Orchestra of New Musical Creation, Experimentation and Improvisation (Onceim), dessen künstlerischer Leiter und Dirigent er ist.
Cast & Credits
„Eins vor, zwei zurück“
| Choreografie | Ioannis Mandafounis |
| Tanz | Emanuele Co', Emanuele Piras, Simon Voitoux Puigrenier und Jón Vallejo, Erster Solist des Semperoper Ballett als Gast |
| Choreografische Assistenz | Pauline Huguet, Smaralia Karakosta |
| Dramaturgie | Philipp Scholtysik |
„Seen Unseen“
| Choreografie | Rosalind Crisp |
| Tanz | Sophie Borney, Thomas Bradley, Lander Casier, Audrey Demurs, Nastia Ivanova, Marina Kladi, Yan Leiva, Antonin Mélon, Solène Schnüriger, Ichiro Sugae, Ashley Alexandra Wright, Samuel Young-Wright |
| Komposition, Klavier | Frédéric Blondy |
| Raumgestaltung | Rosalind Crisp |
| Kostüme | Dorothee Merg |
| Dramaturgie | Philipp Scholtysik |
Förderung
In Koproduktion mit dem Semperoper Ballett.
Die Dresden Frankfurt Dance Company wird gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden und den Freistaat Sachsen sowie die Stadt Frankfurt am Main und das Land Hessen. Company-in-Residence in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste Dresden und im Bockenheimer Depot in Frankfurt am Main.




