Im Doppelabend „Here Is There“ gibt Ioannis Mandafounis, Künstlerischer Direktor der Dresden Frankfurt Dance Company, erstmals einem Ensemblemitglied als Choreograf eine eigene Bühne. Thomas Bradley gehört seit 2023 zur DFDC. Für sein neues Werk verbindet er sein choreografisches System mit seinem unverwechselbaren Stil als Kostümbildner und arbeitet mit skulpturalen, den Körper verändernden Kostümen. 

Ioannis Mandafounis widmet sich der Spannung zwischen dem Wunsch nach Transformation und der Trägheit der physischen Realität. 

Beide Choreografen manipulieren den Raum, um Bewegung entstehen zu lassen. Zugleich bewegen sie sich an der Grenze zwischen Geräusch und Musik: bei Thomas Bradley zwischen den Tönen, wenn ein Elektrogerät zerlegt wird, und einer Trompeten-Sonate, bei Mandafounis zwischen den Sounds von Objekten und der Live-Musik eines Schlagzeugers.

„Several Rhythms Sort Thoughtfully” von Thomas Bradley

Wenn man etwas genau betrachtet, kann man auch in scheinbar zufälligen Handlungen Muster erkennen. Wenn man lang genug schaut, sieht man, wie sie sich verändern. Thomas Bradley lädt mit seiner ersten Arbeit für die DFDC zu einer solchen Betrachtung ein. Er versteht Choreografie als soziales System, einem Spiel ähnlich. Durch dauerhafte Aufmerksamkeit entsteht eine aufgeladene Atmosphäre, in der Regeln und Bedingungen die Entscheidungen der Tänzer*innen in den Fokus rücken. Alle haben ihre eigenen Strategien, aber durch ihr gemeinsames Ziel bleiben ihre Beziehungen bestehen. Auch die Kostüme beeinflussen das Geschehen in entscheidender Weise. In einem mit Bedacht strukturierten Raum trifft die Choreografie auf zwei weitere akustische Elemente: die klanglichen Spuren der Zerlegung eines Elektrogeräts und eine Solo-Sonate für Trompete von HK Gruber.

  • © Dominik Mentzos

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Biografie Thomas Bradley

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Foto: Dominik Mentzos

Thomas Bradley wurde in Cootamundra, Australien geboren und studierte an der New Zealand School of Dance. Ab 2012 tanzte er für die Sydney Dance Company, ab 2015 für das Australian Dance Theatre. 2017 bis 2023 arbeitete er als Tänzer, Pädagoge und Kostümbildner für Emanuel Gat Dance. Seit 2023 arbeitet er als Tänzer und immer wieder auch Kostümbildner für die Dresden Frankfurt Dance Company.

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Cast & Credits

ChoreografieThomas Bradley
TanzNastia Ivanova, Marina Kladi, Solène Schnüriger, Ichiro Sugae, Samuel Young-Wright
Sound DesignZachary Mentzos
KostümeThomas Bradley
Outside EyeLouella May Hogan
DramaturgiePhilipp Scholtysik

„This Beautiful Messy Thing” von Ioannis Mandafounis

In großer Enge sehnt man sich nach Weite, im Tohuwabohu nach Reduktion und Klarheit. Oft enthält etwas sein eigenes Gegenteil. Die Bilder und Situationen in „This Beautiful Messy Thing“ sind von solchen Spannungen geprägt. Wo führt der Drang nach Veränderung hin? Vielleicht kann man die Kontraste selbst genießen, anstatt auf einen Moment zu hoffen, in dem alle Wünsche erfüllt sind. Beim Tanzen kann man mit den Grenzen der Situation spielen, anstatt von ihnen gebremst zu werden. Gegenstände, die als Baustoffe einer Szenerie dienen könnten, verweigern hier eine solche nützliche Ordnung und behaupten stattdessen als lärmende Objektchoreografie ihr Eigenleben. Da fliegt wohl einiges durch die Luft. In den Händen des Schlagzeugers Philipp Danzeisen vermischen sich Samples der verschiedenen Geräusche mit den Sounds der Trommeln. Die lebendige, organische Körperlichkeit der Tänzer*innen, eingegrenzt und gehalten durch das Bühnenbild, ganz nah am Publikum oder vereinzelt im Raum, wirkt so verletzlich wie kraftvoll. Es ist ein Stück von Mandafounis, nur noch lauter – und leiser.

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Biografie Ioannis Mandafounis

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Foto: Dominik Mentzos

Ioannis Mandafounis wurde in Athen geboren und studierte Tanz am Pariser Konservatorium. Als Tänzer arbeitete er u. a. für das Nederlands Dans Theater II und The Forsythe Company. Seit 2004 entwickelt er eigene choreografische Arbeiten und gründete 2009 gemeinsam mit Fabrice Mazliah und May Zarhy das Kollektiv mamaza. Seit 2023 ist er Künstlerischer Leiter der Dresden Frankfurt Dance Company. Mandafounis’ Arbeit zeichnet sich durch einen partizipatorischen Ansatz und die Suche nach neuen Formen der Begegnung zwischen Tanz und Publikum aus.

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Cast & Credits

ChoreografieIoannis Mandafounis
TanzSophie Borney, Lander Casier, Emanuele Co', Audrey Desmurs, Yan Leiva, Liam Meier, Antonin Mélon, Emanuele Piras, Simon Voitoux Puigrenier, Jin Young Won
Komposition, SchlagzeugPhilipp Danzeisen
Choreografische AssistenzPauline Huguet
KostümeDorothee Merg, Lander Casier
BühneIoannis Mandafounis
Vorproben, RechercheNastia Ivanova, Dietrich Krüger
DramaturgiePhilipp Scholtysik

Förderung

Mit freundlicher Unterstützung des Frankfurter Patronatsvereins.

Die Dresden Frankfurt Dance Company wird gefördert durch die Landeshauptstadt Dresden und den Freistaat Sachsen sowie die Stadt Frankfurt am Main und das Land Hessen. Company-in-Residence in HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste in Dresden und im Bockenheimer Depot in Frankfurt am Main.