In „Wait To Be Seated“ begegnen sich zwei feministische Kollektive aus Bangalore und Berlin, um die Gesetze der Gastfreundschaft zu untersuchen. Das diplomatische Protokoll – seine peinliche Berücksichtigung wie auch gezielte Übertretung – dient als Vorlage für einen Austausch, bei dem wir gegenseitig zu Gastgeberin oder Gast werden und damit gleichzeitig zur Herausforderung, zur Verheißung und zur Bürde.
„Atithi Devobhava“ bedeutet „Der Gast gleicht einem Gott“ und wird in Indien häufig gesagt. „Die Tür ist offen, lieber Gast, tritt ein“, ist in der indischen Region Karnataka ein berühmter Satz. Auf Deutsch fällt uns kein vergleichbar einladendes Sprichwort ein. Jenseits solcher großen Gesten existiert insbesondere im diplomatischen und transnationalen Kontext ein engmaschiges Netz von Regeln und Codes, in dem sich Gastgeber*innen oder Gäste leicht verheddern. Nirgendwo sind diese Regeln umfassend niedergeschrieben, sie sind widersprüchlich und ändern sich je nach Person, Ort, Zeit und Kontext. Und trotzdem: Eine gute Gastgeberin wird gegen keine der Regeln verstoßen! Wen beschützen diese ungeschriebenen Gesetze und wovor? Was bleibt, wenn wir die Förmlichkeit hinter uns lassen? Was wenn Gender, „Race“ und Kolonialgeschichte mit am Tisch sitzen? Was dürfen wir überhaupt voneinander verlangen – und wie sagen wir nein?
„Wait To Be Seated“ entwirft in einem entrückten Nirgendwo einen Parcours der Gastlichkeit mit Esstisch, rotem Teppich und Tanzfläche. She She Pop und Sandbox Collective nähern sich einander von entgegengesetzten Seiten, vorsichtig, aber unerbittlich, treffen sich in der Mitte und öffnen einen neuen Horizont.
Biografien
She She Pop ist ein in Berlin ansässiges feministisches Performance-Kollektiv, das mit Bezug auf eigene Biografien aktuelle Themen verhandelt und mit der Einbeziehung des Publikums stets eine sehr lebendige Bühnenatmosphäre schafft. Die Gruppe gehört zu den prominentesten und einflussreichsten in der der deutschen Theaterlandschaft, erhielt viele Preise und tourt ihre Stücke auch international erfolgreich.
Sandbox Collective ist ein von Frauen geführtes, feministisches Performance-Kollektiv aus Bangalore. Seit 2013 arbeitet es an der Schnittstelle von Kunst und Gender, um Zugang zu Kunst zu erweitern. Das Kollektiv agiert als Produzentinnen, Kuratorinnen, Performerinnen und Festival-Hosts in Indien und international. Das Kollektiv folgt einem Verständnis von Kunst als sozialer Verantwortung: Räume zu schaffen, die solidarisch, sicher und gemeinschaftlich geführt sind.
Förderung
Eine Produktion von She She Pop und Sandbox Collective in Koproduktion mit HAU Hebbel am Ufer Berlin, Kampnagel Hamburg, Künstler*innenhaus Mousonturm, FFT Düsseldorf, HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, Kaserne Basel und SPRING Festival Utrecht. Mit freundlicher Unterstützung: Adishakti Laboratory for Theatre Art Research (Pondicherry) und Theaterhaus Berlin.
Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes. Gefördert von dem Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Und gefördert durch die Berliner Senatsverwaltung für Kultur und Gesellschaftlichen Zusammenhalt. Die Produktion ist im Rahmen des vom Goethe-Institut / Max Mueller Bhavan Bangalore geförderten Projekts ‚‚Space for Freedom and Feminism‘‘ entstanden.














