„Goodbye“ ist ein Solo des Choreografen und Tänzers Nitsan Margaliot, das aus dem Geflecht seiner eigenen Familiengeschichte entstanden ist. Als choreografische Reise durch abwesende Erinnerungen, begleitet von flüsternden Klavierklängen, spürt das Stück die beinahe unmögliche Begegnung mit dem Vergangenen nach.  

Sein Großvater, 1920 in Chemnitz unter dem Namen Adolf geboren, floh während des Holocaust nach Palästina/Israel und änderte später seinen Namen in Abraham. Margaliots eigener zweiter Vorname, Avraham, erinnert an ihn. Nachdem er selbst die Gegenbewegung vollzogen und den Großteil seines Erwachsenenlebens in Deutschland verbracht hat, versucht Nitsan Margaliot in „Goodbye”, sich mit seiner Familiengeschichte zu versöhnen, wobei Spuren der Vergangenheit in eine Gleichzeitigkeit mit der Gegenwart treten.  

Das Stück beschreibt die Geschichte von Flucht und Sehnsucht, die seine Familie bis heute prägen, und verwandelt Erinnerung in Bewegung und Abwesenheit in Präsenz. Das Stück wird zu einem Protokoll der Beschwörung zweier Körper: des eigenen und dem des Großvaters, dem Margaliot nie begegnet ist. Vor dem Hintergrund archivarischer Fragmente verbindet „Goodbye“ choreografisches Material mit poetischer Sprache und überführt eine spannungsreiche Vergangenheit durch Akte des Verarbeitens, Tragens und Neupositionierens in eine eindringliche körperliche Auseinandersetzung.  

Biografie

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Foto: Maria Eleonora

Nitsan Margaliot ist ein in Berlin lebender Choreograf und Tänzer, der sich anhand queerer, persönlicher und unheimlicher Archive mit Relationalität auseinandersetzt. Er studierte Tanz an der University of the Arts in Philadelphia. Seine Arbeiten wurden unter anderem im The 5th Floor Tokyo, im 14StreetY NYC, im Archiv der Avantgarden – Egidio Marzona, im Radialsystem, bei den Berliner Festspielen und im Frankfurt LAB präsentiert. Er unterrichtet im Masterstudiengang Tanz am Königlichen Konservatorium Antwerpen und am Zentrum für zeitgenössischen Tanz der Hochschule für Musik und Tanz Köln.

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