Die Skulptur „9841“ wurde 2012 auf dem Gelände von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste als temporäres Denkmal durch die Künstlergruppe BEWEGUNG NURR eingeweiht. Sie erinnert an Johann „Rukeli“ Trollmann, den deutschen Boxmeister im Halbschwergewicht von 1933, der als Sinto* im Nationalsozialismus verfolgt und ermordet wurde. 

Seit Mai 2026 ist das Denkmal nach umfassender Sanierung wieder öffentlich zugänglich. Im Winter 2026 wurde das Kunstwerk im Auftrag des Amtes für Kultur und Denkmalschutz restauriert und anschließend neu im Kulturgarten neben dem Festspielhaus Hellerau platziert. Nach der Schenkung durch die Künstlergruppe an die Landeshauptstadt Dresden bleibt „9841“ dauerhaft in HELLERAU erhalten. 

  • © Klaus Gigga

Stimmen zur Wiedereröffnung des Denkmals im Mai 2026

Carena Schlewitt, 
Intendantin von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste 
„Das Denkmal für Johann Rukeli Trollmann gehört zur Geschichte von HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste. Das Kunstwerk hat immer wieder thematisch und künstlerisch zu verschiedenen Auseinandersetzungen mit der Geschichte der Sinti* und Roma* angeregt. Künstler*innen und Besucher*innen von HELLERAU nehmen dieses besondere Kunstwerk mit großem Interesse wahr. Die Sanierung und der veränderte Standort werden nun dem Kunstwerk als besonderes Denkmal in neuer Form gerecht.“ 
Annekatrin Klepsch, 
Beigeordnete für Kultur, Wissenschaft und Tourismus 
„Die Erinnerung an die Opfer der NS-Diktatur und die Aufarbeitung unserer Geschichte muss uns auch in der Gegenwart ein Anliegen bleiben, insbesondere, da es kaum noch Zeitzeug*innen gibt und alte Rassismen und Stereotype gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit weiterhin existieren. […] Trollmann gewann in Dresden zwei Boxkämpfe, bevor er Opfer der NS-Rassenideologie wurde. Daran wollen wir dauerhaft erinnern in Verantwortung für unsere Geschichte.“ 
BEWEGUNG NURR 
(Florian Göpfert, Alekos Hofstetter, Christian Steuer) 
„Vor sechzehn Jahren haben wir im Gedenken an Johann 'Rukeli' Trollmann das begehbare Boxring-Monument '9841' geschaffen. Leider müssen wir heute feststellen, dass Antiziganismus immer subtiler zutage tritt und seine Kontinuitäten bis in die Mitte der Gesellschaft hinein allgegenwärtig sind. Diskriminierung, Ablehnung und strukturelle Gewalt prägen Biografien und richten immensen Schaden an. Der aktuelle Rechtsruck vergiftet das politische Klima in unserem Land und unsere einzige Chance besteht nun darin, den Einsatz gegen Rassismus entschlossen zu verstärken. Das Heldentum von Johann 'Rukeli' Trollmann lebt in all den Angehörigen der Sinti* und Roma* weiter, die trotz traumatischer Erfahrungen die Kraft finden, weiterzukämpfen.“
  • © Klaus Gigga

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Ein Denkmal, das bewegt 

„Ein an den Ecken abgesenkter Boxring. Kein Halt darin. In sich verschränkte Boxhandschuhe, die statt zum Angriff und zur Verteidigung als Fesseln dienen. Kinder lieben es, in diesen Boxring zu steigen und sich der Schwerkraft zu überlassen. Sie laufen hoch, aber die Neigung des Bodens lässt sie immer wieder herunterlaufen. Für sie ein Spiel.“ 

Die Künstlergruppe BEWEGUNG NURR, bestehend aus Alekos Hofstetter, Christian Steuer und Florian Göpfert, hat mit ihrer Skulptur eines stählernen Boxrings mit Betonoberfläche ein Denkmal für einen außergewöhnlichen sinto*-deutschen Boxer geschaffen, dem im Nationalsozialismus nicht nur Erfolg und sozialer Aufstieg versagt blieben, sondern der aufgrund seiner Herkunft verfolgt, misshandelt und ermordet wurde. 

Zum gesamten Artikel „9841 - Ein Denkmal für Rukeli Trollmann“

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Standort und Kontext HELLERAU 

Nach Stationen in Hannover und Berlin, wurde das temporäre Kunstwerk 2012 in HELLERAU im Beisein von Rita Vowe, Tochter von Johann Rukeli Trollmann sowie seinem Großneffen, Manuel Trollmann, eingeweiht. Anlass war die Premiere des Stückes „Open for Everything“ der Choreografin Constanza Macras und ihrer Company Dorky Park, das gemeinsam mit Roma* - Musiker*innen und Tänzer*innen aus Ungarn, der Slowakei und Tschechien entstand. „9841“ wurde seitdem zu einem festen Bestandteil der künstlerischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzung mit der Geschichte von Sinti* und Roma* in HELLERAU. 2015 und 20216 fand das Festival RomAmoR – eine Hommage an die Sinti*- und Roma*kulturen, statt. Auch in den folgenden Jahren wurde das Denkmal zu einem Dialograum im Kontext des künstlerischen Programms von HELLERAU. So entstand 2021 der Film „9/8fight41“ von Gizem Aksu nach einer längeren Residenz in HELLERAU.  

 

Veranstaltung zur Wiedereröffnung 2026 

Die Wiedereröffnung des Denkmals wurde am 6. Mai 2026 mit einer öffentlichen Veranstaltung unter dem Titel „Weit denken, weil das Denkmal schon steht. Gndin dur, kaj o monumento lace si kothe. “ gewürdigt. In Kooperation mit dem Fachnetzwerk Antiziganismus/Antiromaismus Sachsen, der Künstlerin Stefanie Busch und Spirit of Bayon Dresden wurden im Rahmen der Veranstaltung Architekturen und Praxen des Erinnerns sowie die damit einhergehenden Kämpfe, Formen und Ästhetiken vorgestellt und im Lokalen verortet. Im Fokus stand die Frage: Welche Ideen, Gedanken, Politiken und Widerstände braucht es für das Erinnern an die Verfolgung und Ermordung der Roma* und Sinti* in unserer Gegenwart?

Nach der offiziellen Eröffnung mit Grußworten von Gjulner Sejdi, ROMANO SUMNAL – Roma und Sinti in Sachsen e.V., Carena Schlewitt, Intendantin HELLERAU – Europäisches Zentrum der Künste, und Alekos Hofstetter, Künstlergruppe BEWEGUNG NURR, gab es ein vielseitiges Programm mit Ausstellung, Siebdruck, Boxtraining, Hip-Hop, Audioinstallationen sowie einem Infostand. Abschließend wurde der Dokumentarfilm „I am what I am“ (2026, 35 min, deutsche Sprache, R: Allegra Schneider, Anne Klopfer u.a.m.) gezeigt, in dem drei Generationen einer Sinti*-Familie über ihre Erfahrungen mit Rassismus und die Verfolgungsgeschichte ihrer Familie sprechen.

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Über BEWEGUNG NURR

Das Künstlerkollektiv BEWEGUNG NURR wurde 1989 von Alekos Hofstetter, Christian Steuer und Daniel H. Wild in Dresden gegründet. 1996 bis 2008 arbeitete die BEWEGUNG NURR in der Konstellation Alekos Hofstetter, Christian Steuer, Lokiev Stoof. Seit 2011 ist der Dresdner Künstler Florian Göpfert Mitglied der BEWEGUNG NURR. 2003 gründete die BEWEGUNG NURR die Künstlerinitative S-FOR und arbeitet hier u.a. mit den Künstlern Tina Born, Alen Hebilovic, Sven Kalden, Andreas Koch und Christine Weber zusammen.

Website 

Digitale Wissensplattform RomaRespekt

RomaRespekt ist eine Digitale Wissensplattform zur Geschichte und Gegenwart von Roma* und Sinti* in Sachsen von der Heinrich Böll Stiftung Sachsen. Das Projekt hat auch einen Stadtrundgang zum Hören an sechs unterschiedlichen Stationen entwickelt, welches an die Verfolgung und Vernichtung der Roma* und Sinti* während des Nationalsozialismus und des 2. Weltkriegs in Europa erinnert.

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