Moving Identities: Abjectified Projects
Die Künstler*innen des norwegischen Kollektivs „Abjectified Project“ treten seit 2018 in unterschiedlichen Konstellationen in mehr oder weniger geplanten Drag-Kunst-Kontexten gemeinsam auf. Sie alle verbindet Drag-Performance und eine Vorliebe für abstoßende Ästhetik. Im Rahmen des Residenzprogramms „Moving Identities“ recherchieren sie anhand von Theorien aus Medizin, Soziologie, Psychologie und Linguistik zum Abjekt – zu Dingen, die Ekel und Aversion hervorrufen. Die Auseinandersetzung mit dem Abjekt hilft,Ungerechtigkeiten und ausgrenzende Praktiken zu erkennen und mit künstlerischen Mitteln zu befragen.
Biografie

Åshild Løvvig (sie) ist eine multidisziplinäre Künstlerin. Sie gilt als erfahrenste Drag-King- und maskuline Drag-Kunst-Performerin Norwegens. Ihre Arbeit untersucht Gender- und Ausdrucksfluidität und verbindet akademische Ansätze, Film, queere Kunst und Storytelling. In der experimentellen Drag-Szene erforscht sie Draglesque, Drag Thing, Posthumanismus sowie kritische Blicke auf (cis-)Femininität und queere Intersektionalität. Zudem engagiert sie sich für Neurodiversität und die Sichtbarkeit von Disability in den Künsten.

Jens Martin (they/them) arbeitet seit 2013 mit Kunstformen wie Drag, Tanz und DJing und ist heute freischaffende*r Performance-Künstler*in sowie Projektinitiator*in. Mit Ausbildung an der KHiO schafft Jens Martin Räume für queere Performancekunst und macht unterrepräsentierte ästhetische Traditionen sichtbar. Im Seminar „Becoming the Abject“ (2020) verband Jens Martin das „Abjekte“ mit Drag-„Filth“. Die Arbeit fokussiert zunehmend Prozess, eigenes Material und das Zusammenspiel von Bewegung, Text und Präsenz.

Katinka Steensgaard (she/her) hat einen Bachelor und Master in Angewandter Theaterwissenschaft (OsloMet). In ihrer Masterarbeit erforschte sie Drag-King-Ästhetik und Erfahrungen bei der Auseinandersetzung mit Männlichkeit. Sie arbeitet als Theaterpädagogin, Regisseurin, Schauspielerin und Drag-Künstlerin. Seit 2013 prägt sie die norwegische Drag-Szene und war an Projekten wie Open Drag Stage, BOIS Workzone, Oslo Drag Festival und Oslo Dragskole beteiligt. Ihre Arbeit ist stark von Underground-Strömungen wie Club-Kid-Tradition und Abjekttheorie inspiriert.

Peter David Ramthun (he/him) ist Dragkünstler und Krankenpfleger. Mit der Showreihe „Abjectified“ (2023/2024) prägte er den Abjektdiskurs in Norwegen und legte den Grundstein für dieses Kollektiv. Durch seine Pflegearbeit besitzt er tiefes Wissen über Körperfunktionen, Anatomie, Organe und medizinische Zusammenhänge. Seit sieben Jahren verbindet er dieses Wissen mit Drag und Performance, untersucht Schönheitsbegriffe und die Grenze zwischen Ästhetik und Zumutung und nutzt dabei auch Camp als queere Ausdruckstechnik.

Sofie Bøttger Bratberg (she/her) ist Performancekünstlerin und arbeitet mit Drag, Bewegung, Stimme und Text, um die Vielfalt von Gender und Sexualität zu erkunden. Besonders interessiert sie das Genderneutrale – als Mischung von Geschlechtern oder geschlechterleerer Raum. Ab Herbst 2025 schließt sie ihren Bachelor in Drehbuch ab und plant ein Skript zur lesbischen Tradition. Seit sieben Jahren prägt Drag ihre künstlerische Arbeit. Queere Kunst für Kinder und Jugendliche liegt ihr besonders am Herzen.

Foto: Paulina Tamaracid
Tine Semb, 1984 in Norwegen geboren, ist als Künstler*in, Redakteur*in, Verleger*in, Autor*in sowie Bierbrauer*in und -liebhaber*in tätig, mit Interesse an Wein, Clubkultur und gelegentlichen DJ-Sets. Semb gründete Karmaklubb*, eine autonome, nomadische Queer-Plattform für Sichtbarkeit und Austausch. Das Programm umfasst u.a. Clubnächte, Gespräche, Film, Performance, Drag und Publikationen. Seit 2018 wurden über 350 Projekte international realisiert.
