
Gesichter in HELLERAU – Susanna Rentsch, #1 – 2026
In der Reihe „Gesichter“ stellen wir Menschen vor, die vor oder hinter den Kulissen von HELLERAU dafür sorgen, dass alles reibungslos funktioniert und sich unsere Gäste wohlfühlen.
Seit wann arbeitest du in Hellerau und was sind deine Aufgaben?
Ich arbeite seit Februar 2018 in HELLERAU und bin für das Vertragsmanagement zuständig. Konkret kümmere ich mich um die Künstler*innenverträge für Gastspiele, Workshops, Koproduktionen oder Residenzen. Dazu kommen noch Verträge im Bereich Audience Development, stadtinterne Verträge, Datenverarbeitungsverträge und Wartungsverträge. So betrachtet, bearbeite ich eigentlich ein umfangreiches Spektrum, denn außer den Personalverträgen werden alle Verträge von mir abgewickelt. Im Jahr 2025 waren das mehr als 300.
Was regelst du konkret bei den Künstler*innenverträgen?
Die häufigsten Verträge in HELLERAU sind die Gastspielverträge, in denen die Zusammenarbeit mit den verschiedenen Companies festgelegt wird. Diese Gastspielverträge beinhalten die genauen Zeit-und Ablaufpläne der Proben und Vorstellungen, technische Anforderungen, Honorare und Unterkünfte der Künstler*innen und Regelungen für unvorhersehbare Ereignisse wie z.B. Krankheit oder wetterbedingte Ausfälle. Im Gegensatz dazu sind Koproduktionsverträge meist weniger umfangreich. In diesen wird einfach nur festgelegt, wie sich HELLERAU als Institution an dieser Produktion beteiligt, ob finanziell, räumlich oder personell.
Kannst du kurz erklären, was eine Koproduktion ist?
Eine Koproduktion ist ein Stück, das erst entwickelt wird. Künstler*innen oder Companies kommen mit einer Idee auf uns zu und wir bieten ihnen finanzielle, räumliche und kuratorische Unterstützung für die Entwicklung der Produktion.
Welche Herausforderungen hast du in deiner Arbeit gemeistert?
In der Zusammenarbeit mit Künstler*innen und Companies gibt es immer wieder „harte Nüsse“, die geknackt werden müssen. Besonders bei internationalen Produktionen stellen politische Gegebenheiten eine Hürde dar – etwa, wenn Visa möglicherweise nicht rechtzeitig genehmigt werden oder die Entscheidung darüber erst kurzfristig fällt. In solchen Fällen ist es notwendig, flexible Verträge zu gestalten und Absprachen anzupassen. Außerdem müssen wir uns, da HELLERAU eine städtische Einrichtung ist, eng mit dem Steueramt abstimmen, was zu Verzögerungen und Komplikationen führen kann. Insgesamt braucht es dafür viel Kommunikation und Abstimmung – aber wir stellen uns diesen Aufgaben gemeinsam.
Was magst du besonders an HELLERAU?
Mich beeindruckt immer wieder, mit welchem Herzblut sich verschiedene Kolleg*innen für einzelne Projekte in HELLERAU einsetzen und diese durch jede Herausforderung durchboxen. Dabei muss ich gerade an das gemeinsame Turmbauprojekt „BABEL“ beim Festival „Dance Together“ 2024 denken oder an den Katalog zum Symposium „Black Box White Cube XR“. Bis dieses fertige Heft vorlag, war es ein langwieriger Weg mit unzähligen Türklopfern und vielen Herausforderungen, die im Hintergrund geregelt werden mussten. Diese komplexen Abläufe, dass die Kolleg*innen dranbleiben und die Projekte am Ende gelingen, das fasziniert mich immer wieder.
Und was wünschst du HELLERAU für die Zukunft?
Letztens, als ich mit zwei Kolleg*innen den neuen Ostflügel besichtigte, habe ich in den verregneten Kulturgarten geschaut. Da dachte ich mir: „Ach HELLERAU, du bist ein Ort von verstecktem Glanz“.
Wir sind nicht so pompös wie die Semperoper. Aber hier gibt es den Glanz des Miteinanders und so viele kleine Rädchen, die man nicht sieht, aber jedes einzelne ist wertvoll. HELLERAU ist offen – und sollte für mich noch weiter seine Türen öffnen, damit Menschen hier ankommen, sich treffen und einander begegnen können. HELLERAU ist einmalig – als Ort mit Optionen und Potenzial zum Ausprobieren.






